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Antizyklisch Investieren: 15,78% p.a. mit einer datenbasierten Regel und dem CAPE-Signal

Die Regel klingt simpel: Investiere immer in die günstigste Assetklasse der Vorperiode. Das Ergebnis über mehrere Zyklen: 15,78% p.a. — deutlich mehr als jede Einzelstrategie, jedes Stardepot und die meisten Hedgefonds. Und doch nutzt kaum jemand diesen Ansatz. Warum? Weil antizyklisches Investieren gegen jeden menschlichen Instinkt verstößt.

Dieser Artikel verbindet zwei mächtige Konzepte: das Shiller CAPE als Bewertungsindikator und den 18-Jahres-Superzyklus zwischen Aktien und Rohstoffen. Zusammen ergeben sie eine Strategie, die nicht auf Prognosen basiert, sondern auf Bewertungsdaten — Mathematik statt Bauchgefühl.

Das Shiller CAPE: Der beste Langfristindikator

Das Cyclically Adjusted Price-to-Earnings Ratio (CAPE), entwickelt von Nobelpreisträger Robert Shiller, setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum inflationsbereinigten 10-Jahres-Durchschnittsgewinn. Durch die Glättung über einen kompletten Konjunkturzyklus eliminiert es kurzfristige Gewinnschwankungen und gibt ein robustes Signal über die fundamentale Bewertung.

Die empirische Evidenz ist eindeutig: Ein hoher CAPE-Wert zeigt teure Bewertungen an und prognostiziert niedrige erwartete Renditen über die folgenden 10 Jahre. Ein niedriger CAPE zeigt günstige Bewertungen an und prognostiziert hohe Renditen. Über 10-Jahres-Horizonte funktioniert dieses Signal mit bemerkenswerter Zuverlässigkeit.

Die aktuellen Bewertungen (Stand Thesis): Der US-Markt handelt mit einem CAPE von über 30 — teurer als vor dem Dotcom-Crash von 2000. Industrieländeraktien sind moderat bewertet. Emerging Markets zeigen einen niedrigen CAPE — historisch das Signal für Outperformance. Und Rohstoffe befinden sich auf einem historischen Bewertungstief relativ zu Aktien.

Die Implikation: Wer heute 50% seines Portfolios in US-Aktien hält, investiert in die teuerste Assetklasse der Welt. Wer antizyklisch denkt, gewichtet die günstigen Assetklassen über — Emerging Markets, Rohstoffe, internationale Aktien — und reduziert das Exposure zum US-Markt.

Der 18-Jahres-Superzyklus: Bannister & Forward

Seit über 200 Jahren wechseln Aktien und Rohstoffe in regelmäßigen Zyklen die Dominanz. Die Forschung von Bannister und Forward hat dieses Muster quantifiziert: Alle 18 Jahre verschiebt sich die relative Performance.

Die historischen Zyklen erzählen eine konsistente Geschichte: Von 1906 bis 1923 dominierten Rohstoffe, Aktien waren schwach. Von 1923 bis 1942 drehte sich das Bild — Aktien boomten bis zum Crash, Rohstoffe schwächelten. Der Nachkriegsboom von 1942 bis 1966 gehörte den Aktien. Die Phase von 1966 bis 1982 — Stagflation, Ölkrise — wurde zum Rohstoff-Superzyklus, während Aktien real negativ rentierten.

Dann kam der Mega-Bullenmarkt von 1982 bis 2000: Aktien stiegen um über 1.000%, Rohstoffe verfielen. Seit 2000 ist das Bild uneinheitlich — Aktien volatil, Rohstoffe auf einem Zyklen-Tief. Wenn der historische Rhythmus Bestand hat, deutet alles auf einen neuen Rohstoff-Superzyklus ab ca. 2018-2036.

Das GSCI/DJIA-Verhältnis — der Quotient aus dem Goldman Sachs Commodity Index und dem Dow Jones Industrial Average — bestätigt diese These. Es befand sich 2020 auf einem historischen Tief, vergleichbar mit dem Niveau von 1970 und 1998. Nach beiden Tiefpunkten folgten massive Rohstoff-Rallyes, die jeweils mehr als ein Jahrzehnt andauerten.

Die Contrarian-Strategie: 15,78% p.a. über 4 Perioden

Die antizyklische Strategie kombiniert die Erkenntnisse aus CAPE und Superzyklen zu einer konkreten Handlungsregel: In jeder Periode wird in die Assetklasse investiert, die in der Vorperiode am günstigsten bewertet war.

Das Ergebnis über mehrere historische Zyklen: 15,78% p.a. — eine Rendite, die weit über dem Durchschnitt jeder einzelnen Assetklasse liegt. Zum Vergleich: US-Aktien brachten 9,30% p.a., Gold 7,86% p.a., Rohstoffe 7,51% p.a. Die antizyklische Rotation zwischen diesen Klassen generiert einen erheblichen Mehrwert.

Warum funktioniert das? Drei fundamentale Kräfte treiben die antizyklische Outperformance:

1. Mean Reversion: Überbewertete Assetklassen tendieren langfristig zur Normalisierung. Ein CAPE von 30+ kehrt früher oder später zum historischen Mittelwert zurück — durch Kursrückgänge oder Gewinnwachstum. Unterbewertete Klassen erleben das Gegenteil: Ihre Bewertung normalisiert sich nach oben.

2. Behavioral Finance: Die Masse kauft teuer (FOMO — Fear of Missing Out) und verkauft billig (Panik). Dieses systematische Fehlverhalten der Mehrheit schafft Gelegenheiten für disziplinierte Contrarians. Wenn alle US-Aktien kaufen, steigt deren Bewertung über Fair Value. Wenn alle Rohstoffe meiden, fallen deren Bewertungen unter Fair Value.

3. Value-Premium: Günstige Assets haben langfristig höhere Renditen als teure. Dieses Phänomen — von Fama und French für Aktien dokumentiert — gilt auch über Assetklassen hinweg. Ein niedriger CAPE heute ist der beste Prädiktor für hohe Renditen in den nächsten 10 Jahren.

Was das für die aktuelle Portfoliokonstruktion bedeutet

Die CAPE-Signale und Superzyklus-Daten ergeben ein klares Bild für die aktuelle Asset Allocation:

US-Aktien: Nur 11% statt üblich 20-50%. Der US-Markt ist auf CAPE-Basis teuer. Das bedeutet nicht, dass ein Crash unmittelbar bevorsteht — Überbewertungen können Jahre andauern. Aber es bedeutet, dass die erwarteten 10-Jahres-Renditen unterdurchschnittlich sein werden. Eine Untergewichtung ist die rationale Antwort.

Emerging Markets: 12% — übergewichtet. Niedrige CAPE-Bewertungen, demografischer Rückenwind und Wirtschaftswachstum über dem Niveau der Industrieländer. Antizyklisch die attraktivere Alternative zum überbewerteten US-Markt.

Rohstoffe: 25% — stark übergewichtet. Das GSCI/DJIA-Verhältnis auf historischem Tief, der 18-Jahres-Superzyklus deutet auf eine Rohstoff-Phase, und bei steigender Inflation sind Rohstoffe der natürliche Hedge — sie sind die Inflation. Bei einer erwarteten Inflationsrate von 6,2% p.a. bieten Rohstoffe die höchste erwartete Realrendite aller Assetklassen: 9,80%.

Gold: 20-25% — als Diversifikator. Moderat bewertet, Korrelation von 0,02 zu Aktien, 15,3% p.a. bei Negativzinsen. Gold ist nicht der günstigste Baustein, aber der robusteste Diversifikator. Details in unserer Gold-Analyse.

Industrieländer-Aktien: 17% — fair gewichtet. Günstiger als der US-Markt, aber nicht so günstig wie Emerging Markets. Eine moderate Position, die geografische Diversifikation bietet.

Die psychologische Hürde: Warum fast niemand es schafft

Wenn antizyklisches Investieren so profitabel ist, warum nutzt es fast niemand? Die Antwort liegt in der menschlichen Psychologie — und sie erklärt, warum die Strategie funktioniert:

Gegen den Konsens zu investieren fühlt sich falsch an. Wenn alle US-Tech-Aktien kaufen und die Kurse steigen, dann Rohstoffe und Emerging Markets zu kaufen, erfordert eine innere Überzeugung, die den meisten Menschen fehlt. Die sozialen Kosten des Andersseins sind real: Man verpasst die Party, die anderen feiern.

Günstige Assets sind oft günstig, weil alle sie meiden. Es gibt immer gute Gründe, warum ein Markt gefallen ist — geopolitische Risiken, wirtschaftliche Probleme, negative Nachrichten. Der Contrarian muss in der Lage sein, diese kurzfristigen Probleme von langfristigen Bewertungssignalen zu trennen.

Antizyklische Strategien brauchen Geduld. Der Horizont liegt bei 3 bis 10 Jahren. In der Zwischenzeit kann die überbewertete Assetklasse weiter steigen und die günstige weiter fallen. Wer vierteljährlich Performance misst, wird wahnsinnig. Wer in Dekaden denkt, wird belohnt.

Die Lösung: Quantitative Signale statt Bauchgefühl. CAPE, GSCI/DJIA, Superzyklus-Position — diese Indikatoren liefern objektive Daten, die emotionale Entscheidungen ersetzen. Nicht Meinung, sondern Mathematik. Nicht Prognosen, sondern Bewertungen.

Fazit: Kaufen was günstig ist — systematisch

15,78% p.a. sind kein Versprechen. Sie sind ein historisches Ergebnis einer konsequent antizyklischen Strategie. Die Zukunft wird anders sein als die Vergangenheit — aber die fundamentalen Kräfte, die antizyklisches Investieren profitabel machen, haben sich seit 200 Jahren nicht verändert: Mean Reversion, Behavioral Finance und das Value-Premium.

Der CAPE-Indikator sagt heute klar: US-Aktien sind teuer, Emerging Markets und Rohstoffe sind günstig. Der Superzyklus sagt: Rohstoffe stehen am Beginn einer potenziellen 15-Jahres-Phase. Die Inflationsdaten sagen: Sachwerte werden gebraucht wie selten zuvor.

Die Frage ist nicht, ob diese Signale richtig sind — sie sind historisch robust dokumentiert. Die Frage ist, ob der einzelne Anleger die Disziplin aufbringt, gegen den Konsens zu handeln. Die Mathematik spricht für sich. Ob man ihr folgt, ist eine Frage des Charakters, nicht des Wissens.

Daniel Huber
Daniel Huber
Gründer & CEO von CANVENA | 215 Mio. USD Track Record

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