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DCF-Bewertung Schritt für Schritt: Von der Cashflow-Prognose zum Unternehmenswert

DCF-Methode: Definition und Anwendungsbereich

Die Discounted Cash Flow (DCF)-Bewertung ist eine fundamentale Methode zur Unternehmensbewertung. Sie basiert auf dem Prinzip, dass der Wert eines Unternehmens gleich dem Barwert all zukünftiger Cashflows ist. Die DCF-Methode ist besonders geeignet für Unternehmen mit stabilen, prognostizierbaren Cashflows und wird intensiv in Investment Banking und Private Equity verwendet.

Free Cash Flow (FCF) Definition und Berechnung

Der Free Cash Flow ist die Geldmenge, die nach Investitionen dem Unternehmen zur Verfügung steht:

FCF = EBIT × (1 - Steuersatz) + Abschreibungen - Kapitalausgaben - Änderung des Betriebskapitals

Alternativ vom Netto-Einkommen ausgehend:

FCF = Nettogewinn + Abschreibungen - Capex - Δ Betriebskapital

Der FCF ist unabhängig von der Finanzierungsstruktur und stellt dar, wie viel Wert das Kerngeschäft generiert.

Prognoseperiode: 5-10 Jahre in die Zukunft

Der typische Prognosehorizont liegt bei 5-10 Jahren. Dies ist ein Kompromiss:

  • Zu kurz (<3 Jahre): Ignoriert das langfristige Potenzial
  • Zu lang (>15 Jahre): Prognosen werden zu spekulativ, Fehler verstärken sich
  • 5-7 Jahre: Standard für stabile Unternehmen
  • 8-10 Jahre: Für hochgradig wachstumsstarke Unternehmen

Während der Prognoseperiode sollten FCF-Szenarien auf realistischen Annahmen basieren: Umsatzwachstum, EBIT-Margin, Kapitalintensität und Betriebskapitalveränderungen.

Terminal Value: Gordon Growth vs. Exit Multiple

Der Terminal Value repräsentiert den Wert ab dem letzten Prognosejahr bis in Ewigkeit. Es gibt zwei Ansätze:

1. Gordon Growth Method:

TV = FCF(Jahr n) × (1 + g) / (WACC - g)

Dabei ist g die ewige Wachstumsrate (meist 2–3%, nicht höher als langfristiges GDP-Wachstum).

Beispiel: FCF Jahr 5 = €100 Mio, WACC = 8%, g = 2,5%

TV = 100 × 1,025 / (0,08 - 0,025) = 102,5 / 0,055 = €1.863 Mio

2. Exit Multiple Method:

TV = FCF(Jahr n) × Exit Multiple (z.B. EV/EBITDA)

Beispiel: EBITDA Jahr 5 = €50 Mio, angenommenes Exit-Multiple = 12x

TV = 50 × 12 = €600 Mio

Die Gordon-Growth-Methode ist theoretisch fundierter; die Exit-Multiple-Methode ist praxisorientierter und berücksichtigt Marktgegebenheiten.

Diskontierung: Cashflows auf Gegenwartswert reduzieren

Alle prognostizierten Cashflows müssen mit dem WACC als Diskontierungssatz auf die Gegenwart reduziert werden:

PV(FCF) = FCF / (1 + WACC)^n

Beispiel für Jahre 1–5 mit WACC = 8%:

  • Jahr 1: €50 Mio / 1,08^1 = €46,3 Mio
  • Jahr 2: €60 Mio / 1,08^2 = €51,4 Mio
  • Jahr 3: €70 Mio / 1,08^3 = €55,6 Mio
  • Jahr 4: €75 Mio / 1,08^4 = €55,1 Mio
  • Jahr 5: €80 Mio / 1,08^5 = €54,4 Mio

Summe PV(FCF) = €262,8 Mio

Der Terminal Value wird ebenfalls diskontiert: PV(TV) = TV / (1,08)^5

Enterprise Value bis Equity Value: Die Brücke

Die Summe der diskontieren Cashflows plus diskontierter Terminal Value ergibt den Enterprise Value (EV). Um zum Equity Value (Wert für Aktionäre) zu gelangen:

Equity Value = Enterprise Value - Nettoschulden + sonstige Vermögenswerte

Dabei:

  • Nettoschulden = Finanzielle Verbindlichkeiten - Barmittel
  • Sonstige Vermögenswerte = Assoziierte Unternehmen, Immobilien außerhalb der Bilanz, etc.

Beispiel:

  • Enterprise Value (PV aller FCF + TV) = €800 Mio
  • Weniger: Nettoschulden = €150 Mio
  • Equity Value = €650 Mio
  • Bei 10 Mio Aktien = €65 pro Aktie

Vollständiges DCF-Rechenbeispiel

Szenario: Mittelständisches Softwareunternehmen mit stabilen Wachstum

Eingabegrößen:

  • WACC = 9%
  • Prognosehorizont = 5 Jahre
  • Terminal Value über Gordon Growth mit g = 2,5%

Prognostizierte FCF (€ Mio):

Jahr12345
FCF3036435057
Diskontfaktor0,9170,8420,7720,7080,649
PV(FCF)27,530,333,235,437,0

Summe PV(FCF, Jahre 1–5) = €163,4 Mio

Terminal Value: TV = 57 × 1,025 / (0,09 - 0,025) = 58,4 / 0,065 = €898,5 Mio

PV(TV) = 898,5 × 0,649 = €583,3 Mio

Enterprise Value = 163,4 + 583,3 = €746,7 Mio

Annahmen zur Brücke:

  • Netto-Schulden = €80 Mio
  • Equity Value = 746,7 - 80 = €666,7 Mio
  • Bei 12 Mio Aktien = €55,56 pro Aktie

Sensitivitätsanalyse und Limitierungen

Der DCF-Wert ist extrem sensitiv gegenüber kleinen Änderungen des WACC und der Terminal-Growth-Rate. Eine 2D-Sensitivitätstabelle (WACC vs. g) zeigt typischerweise ±20–30% Schwankungen beim Unternehmenswert.

Limitierungen der DCF:

  • Prognoseunsicherheit: FCF-Prognosen sind spekulativ
  • Terminal Value dominiert: 70–80% des Wertes kommt aus den letzten Jahren
  • WACC-Annahmen: Kleine Fehler haben großen Einfluss
  • Nicht geeignet: Für junge, unrentable oder zyklische Unternehmen

Daher sollte die DCF immer durch komparative Bewertungen (Multiples wie EBITDA Multiple) und Szenarioanalysen ergänzt werden.

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