Die Spending Rule: Wie viel können Sie jährlich aus Ihrem Vermögen entnehmen?
Sie haben €5 Mio. vermögen. Sie sind 55 Jahre alt und möchten mit 60 in den Ruhestand gehen. Die Frage: Wie viel kannst Sie jährlich ausgeben, ohne Ihr Kapital aufzubrauchen? €200K? €250K? €300K? Die Antwort basiert auf der »Spending Rule« – eine wissenschaftliche Formel, die Yale nutzt. Dieser Artikel zeigt Ihnen die Mathematik dahinter und wie Sie die richtige Quote für Ihren persönlichen Fall bestimmen.
Die 4% Rule und ihre Grenzen
Die »4% Rule« ist die klassische Formel: Im ersten Jahr kannst Sie 4% Ihres Portfolios entnehmen, danach erhöhen Sie die Entnahmen um Inflation.
Bei €5 Mio. bedeutet das: €200K im Jahr 1, €204K im Jahr 2 (bei 2% Inflation), €208K im Jahr 3, usw.
Diese Regel funktionierte in den letzten 50 Jahren gut – mit 94% Erfolgsquote (»Erfolg« bedeutet: Das Geld hält 30+ Jahre). Aber die 4% Rule hat Schwächen:
- Sie ignoriert das Alter des Investors (ein 35-Jähriger mit 50-jähriger Horizont braucht eine andere Quote als ein 75-Jähriger)
- Sie ignoriert die aktuelle Marktbewertung (nach einem Bull Market könnte 4% zu aggressiv sein)
- Sie ignoriert die tatsächliche Portfolio-Struktur (Wenn Sie 100% Bonds haben, sind 4% unrealistisch)
Yales 5,25% Smoothing-Regel
Yale nutzt eine »Spending Rule with Smoothing«:
Entnahme = Prior Year Entnahme * (1 + Inflation) * 0,8 + Aktuelle Portfolio Value * 5% * 0,2
Das bedeutet: 80% der Entnahme basiert auf Inertia (Prior Year + Inflation), 20% auf aktueller Portfoliogröße.
Der Vorteil: Diese Regel reduziert die Volatilität der Entnahmen. Wenn Ihr Portfolio in einem Jahr 30% verliert, sinkt die Entnahme nicht plötzlich um 30%. Sie sinkt um nur ~6%, weil die 80% Komponente stabil bleibt.
Für Sie: Wenn Sie €5 Mio. haben und {{200k}} entnommen haben, ist Ihre Entnahme im nächsten Jahr ungefähr {{200k}} * 1,02 (Inflation) = {{204k}}, auch wenn Ihr Portfolio auf {{4,5m}} sinkt.
Die persönliche Spending Rule: 3% bis 6%
Die richtige Entnahmequote hängt ab von drei Faktoren:
1. Zeitraum (Je länger, desto niedriger)
- 10-Jahres-Horizont: 6-8% ist akzeptabel
- 30-Jahres-Horizont: 3-4% ist sicherer
- 50+ Jahre-Horizont: 2-3% ist die Norm (Stiftungen)
2. Portfolio-Struktur (Je diversifizierter, desto höher)
- 100% Bonds: 3-4% max.
- 60/40 Portfolio: 4-5% ist sicher
- Yale-ähnlich (50% Alternatives): 5-6% ist realistisch
3. Flexible vs. Fixed (Je flexibler Sie sind, desto höher)
- »Ich brauche exakt €250K pro Jahr, egal was«: 4% max.
- »Ich kann auf €200K reduzieren, wenn nötig«: 5-6% möglich
Ihre persönliche Spending-Berechnung
Schritt 1: Definieren Sie Ihren Zeithorizont
»Ich bin 55, möchte bis 95 leben = 40-Jahres-Horizont«
Schritt 2: Bewerten Sie Ihre Portfolio-Struktur
»Mein Portfolio: 50% Equities, 30% Immobilien, 20% Bonds = moderates Risiko«
Schritt 3: Bestimmen Sie Ihre Flexibilität
»Ich brauche mindestens €250K pro Jahr, kann aber auf €200K sinken, wenn Märkte crashen.«
Empfehlung: 4-5% ist für Sie sicher
Bei €5 Mio.: €200K-€250K pro Jahr
Schritt 4: Nutzen Sie die Smoothing-Regel
- Jahr 1: €250K
- Jahr 2 (wenn Portfolio auf €4,8 Mio. sinkt): €250K * 1,02 * 0,8 + €4,8M * 5% * 0,2 = €204K + €48K = €252K
Das ist stabiler und weniger »schockierend« als ein plötzlicher Drop auf €192K.
Quellen & Studien
- Swensen, David: »Pioneering Portfolio Management« (2000)
- Ellis, Charles: »Winning the Loser's Game« (2017)
- Academic Studies on Portfolio Management
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